Lagerung von Kalamitäts­holz

Polter aus Nadelholz-Stirnschnitten

In einer niedersächsischen Langzeitstudie an 32 Folienpoltern aus dem Friederike-Sturmholz 2018 musste rund ein Drittel der Polter wegen Folien­beschädigung vorzeitig geöffnet werden; in nur vier Poltern blieb der Sauerstoff­anteil bis zur planmäßigen Auflösung nahe null. Die Zahl steht stellvertretend für ein größeres Problem: Zwischen 2018 und 2023 fielen in Deutschland rund 272 Millionen Festmeter Kalamitäts­holz an (BMEL-Holzmarkt­bericht 2022, Destatis 2025). Ein erheblicher Teil davon konnte nicht zeitnah verarbeitet werden und musste über Monate oder Jahre zwischen­gelagert werden. Welche Verfahren dafür wann taugen, hat das Team um Trautwein, Militz und Brischke 2025 in einem Review in Discover Forests zusammengefasst; ich war als Co-Autor beteiligt.

Die sechs gängigen Verfahren

Nass­lagerung mit Beregnung. Über Jahrzehnte das Standard­verfahren. Holz­feuchten über 150 Prozent unterdrücken Pilz- und Insekten­befall durch Sauerstoff­mangel im Holz. Erfordert zuverlässige Wasser­verfügbarkeit und kann zu Ausspülungen ins Grundwasser führen. In Trocken­jahren mussten Anlagen aufgegeben werden, weil das Wasser fehlte.

Folien­lagerung Baden-Württemberg-Methode. Komplettes Versiegeln der Polter unter Folie. Die Atmung der noch lebenden Zellen senkt den Sauerstoff­anteil im Polter binnen Tagen auf nahe null; der CO₂-Anteil erreicht in der Spitze 27 bis 56 Prozent und fällt dann auf 12 bis 25 Prozent. In der niedersächsischen Langzeit­studie an 32 Foliepoltern aus dem Friederike-Holz 2018 erreichten vier Polter über die gesamte Lager­dauer einen Sauerstoff­anteil nahe null; rund ein Drittel der Polter musste wegen Folien­beschädigung vorzeitig geöffnet werden, der Rest wurde planmäßig für die Vermarktung aufgelöst. Die Methode funktioniert also nur dann, wenn Folien­pflege, Mäuse­schutz und Reparatur­disziplin stimmen.

Folien­lagerung Schweizer Methode. Folie nur oben, unten offen zum Boden. Erreicht den Sauerstoff­ausschluss schlechter und konserviert vor allem über erhöhte Holz­feuchte. Weniger zuverlässig als die Baden-Württemberg-Methode, dafür günstiger.

Erdlagerung. Eindecken mit Boden­substrat, im sächsischen Pilot­projekt mit Gips­substrat aus dem Tagebau­rückbau. Sauerstoff fiel auf 0 bis 4 Prozent, CO₂ stieg über 11 Prozent. Praxis­tauglich für Frischholz; bei vor­getrocknetem Käferholz mit Holz­feuchten um 76 Prozent zu Lager­beginn trocknete das Holz im Polter im Pilot­ergebnis weiter aus, was für die Konservierung ungünstig war.

Stand­lagerung von Käferholz (Snags). Tote, befallene Fichten bleiben stehen, bis Kapazitäten zur Aufarbeitung vorhanden sind. Wissenschaftlich noch dünn untersucht. Erste Studien im Harz und Sauerland zeigen, dass die Standzeit die Kronen­bruch­rate spürbar erhöht, ohne dass sich diese Variabilität allein über die Wasser­versorgung der Standorte erklären lässt.

Lebend­lagerung mit Wurzelteller. Sturmwurf-Bäume mit intaktem Wurzel­teller bleiben über eine Vegetations­periode an Ort und Stelle. Bei Fichte, Kiefer, Douglasie und Eiche praxis­tauglich, sofern der Wurzelteller wirklich noch Boden­kontakt hat.

Trocken­lagerung von Kalamitäts­holz. Entrindet, ohne Boden­kontakt, gegebenenfalls mit Plane abgedeckt. Ziel ist eine Holz­feuchte unter 30 Prozent, damit Fäule­pilze nicht arbeiten können. Funktioniert besonders bei vor­getrocknetem Käferholz, das im Stand bereits Feuchte verloren hat. Standort, Wind­exposition und Polter­packung entscheiden über die Trocknungs­leistung.

Methodenwahl im konkreten Fall

Wesentlich für die Methodenwahl ist, welche Voraus­setzungen am Standort gegeben sind: Wasser­verfügbarkeit für Beregnung, Fläche und Boden­beschaffenheit für Folien- oder Erd­lagerung, dazu die Möglichkeit zur kontinuierlichen Kontrolle. Hinzu kommen die absehbare Lagerdauer und der Vital­zustand des eingelagerten Holzes zum Lager­beginn. Aus dem Zusammenspiel dieser Größen ergibt sich häufig eine Kombination, etwa Trocken­lagerung im ersten Jahr und Vermarktung, sobald sich der Markt entspannt. In der hessischen Forst­praxis sind seit 2018 vor allem die Folien­lagerung und die Trocken­lagerung im Einsatz, je nach Standort und betrieblicher Möglichkeit.

Eine methodisch verwandte Studie an Pappel-Kurzumtriebs­holz aus dem Tharandter Wald, an der ich in der Feld­phase 2018 beteiligt war, kam zu einem anderen Schluss als ihn der Käferholz-Review für Fichte zeichnet: für Pappel-SRC bewahren Kompaktpolter mit entrindeten Stämmen die Holz­qualität am besten. Der höchste Trocken­masse­verlust von 9,01 Prozent trat in der Variante mit Beregnung und ohne Rinde auf (Günther et al. 2021, BioEnergy Research). Holzart, Stammdurch­messer und Lager­dauer machen also einen wesentlichen Unterschied: Übertragungen zwischen Fichten-Kalamitäts­holz und Pappel-SRC sind nur mit Vorbehalt möglich. In der forstlichen Bearbeitung gehört die Methoden­wahl in die Beförsterung; die wertende Beurteilung von Holz­qualität bei Verkauf oder Schaden in das Gutachten.


Quelle: Trautwein, J.-F., Militz, H., Starke, N., Günther, B., Meurer, A., Brischke, C. (2025). Protection of stored roundwood: methods, efficacy of protective measures, and quality losses. Discover Forests 1:19. DOI 10.1007/s44415-025-00021-4